Glos­sar-Test

Hier kannst du das Glos­sar di­rekt per Link öff­nen.

Das Ge­heim­nis der In­sel­bi­blio­thek

Als Mia an die­sem Mor­gen die Haus­tür öff­ne­te, hing eine selt­sa­me Wol­ke über dem klei­nen Gar­ten ih­res Groß­va­ters. Ne­ben dem al­ten Vo­gel­haus lag ein zer­knit­ter­tes Pa­ket, auf dem nur ein ein­zi­ges Wort stand: „Aben­teu­er“.

Neu­gie­rig zog sie ihre rote Ja­cke an, griff nach ih­rer Ta­sche und steck­te den sil­ber­nen Schlüs­sel ein, den sie ges­tern un­ter ei­nem Ap­felbaum ge­fun­den hat­te. Im Haus tick­te die alte Uhr, wäh­rend aus der Kü­che der Duft von Kaf­fee, fri­scher Piz­za und sü­ßer Mar­me­la­de kam. Der brum­men­de Kühl­schrank vi­brier­te leicht, als hät­te auch er ein Ge­heim­nis.

Im Pa­ket be­fan­den sich ein klei­nes No­tiz­buch, eine ver­gilb­te Schatz­kar­te und eine rät­sel­haf­te Nach­richt:

> „Fol­ge dem Re­gen­bo­gen zur Quel­le hin­ter dem Leucht­turm.“

Mia schnapp­te sich ihr Fahr­rad und fuhr zur al­ten Bi­blio­thek am Ha­fen. Dort saß Herr Ru­bin, ein schrul­li­ger Mann mit rie­si­gen Oh­ren – zu­min­dest be­haup­te­ten die Kin­der, sei­ne Oh­ren könn­ten selbst das Flüs­tern ei­ner Eule hö­ren.

„Ah“, sag­te er und blick­te über sei­nen Com­pu­ter hin­weg, „du hast also die Kar­te ge­fun­den.“

Drau­ßen zog ein schwe­res Ge­wit­ter auf. Don­ner roll­te über das Dach der Bi­blio­thek, und plötz­lich fiel die Hei­zung aus. Im fla­ckern­den Licht ei­ner al­ten Lam­pe er­klär­te Herr Ru­bin, dass die Kar­te zu ei­ner ver­bor­ge­nen In­sel füh­re, auf der einst ein mäch­ti­ger Zau­be­rer ge­lebt habe.

„Dort gibt es ein ver­bor­ge­nes Denk­mal“, flüs­ter­te er. „Und eine Ma­schi­ne vol­ler un­end­li­cher En­er­gie.“

Noch be­vor Mia Fra­gen stel­len konn­te, hör­te sie lau­tes Cha­os vom Ha­fen. Eine ele­gan­te Yacht leg­te an, und Män­ner in schwar­zen Män­teln lu­den selt­sa­me Kis­ten aus. Ei­ner trug so­gar ein gol­de­nes Xy­lo­phon auf dem Rü­cken.

„Sie sind hin­ter dem Schatz her“, sag­te Herr Ru­bin ernst.

Ge­mein­sam flo­hen sie über die alte Brü­cke zum Leucht­turm. Über ih­nen er­schien ein leuch­ten­der Re­gen­bo­gen, ob­wohl der Re­gen noch fiel. Hin­ter dem Turm rausch­te ein ge­wal­ti­ger Was­ser­fall, und da­hin­ter ent­deck­ten sie tat­säch­lich eine ver­bor­ge­ne Quel­le.

Im In­ne­ren der Höh­le lag eine rie­si­ge Hal­le. An der De­cke fun­kel­te ein ge­mal­tes Stern­bild, und in der Mit­te stand eine sil­ber­ne Ra­ke­te. Da­ne­ben lag eine ver­ges­se­ne Fern­be­die­nung.

„Das ist kei­ne ge­wöhn­li­che Ra­ke­te“, mur­mel­te Herr Ru­bin. „Sie kann zum Mond flie­gen.“

Plötz­lich beb­te die Erde. Tief in der Fer­ne er­wach­te ein Vul­kan. Die Män­ner von der Yacht hat­ten of­fen­bar et­was aus­ge­löst.

Mia blät­ter­te has­tig im No­tiz­buch. Zwi­schen Skiz­zen ei­nes Ze­bras, ei­ner Oran­ge und ei­nes al­ten Ka­len­ders fand sie eine ent­schei­den­de Idee: Die Ra­ke­te ließ sich nur star­ten, wenn man die Me­lo­die auf dem gol­de­nen Xy­lo­phon spiel­te.

Zum Glück er­in­ner­te sich Mia an ihre Zeit im Thea­ter, wo sie ein­mal Mu­si­ker be­glei­tet hat­te. Sie spiel­te die ge­heim­nis­vol­le Me­lo­die – und die Ra­ke­te be­gann zu leuch­ten.

Ein Wind­stoß feg­te durch die Hal­le, die Stei­ne er­zit­ter­ten, und der Zau­ber der In­sel er­wach­te er­neut.

Als spä­ter al­les vor­bei war, sa­ßen Mia und Herr Ru­bin er­schöpft am Ha­fen. Hin­ter ih­nen zog ge­ra­de ein gro­ßer Um­zug vor­bei, vol­ler Mu­sik und Lich­ter.

„Was pas­siert jetzt mit der Ra­ke­te?“, frag­te Mia.

Herr Ru­bin lä­chel­te nur, blick­te zum Him­mel und sag­te:

„Man­che Ge­heim­nis­se blei­ben bes­ser zwi­schen den Ster­nen.“